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Pfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ – Hollfeld und der 02. April 1945 

Eine bedeutsame geschichtliche Verbindung für Hollfeld

Am 15.08., Mariä Himmelfahrt, feiert die Pfarrei Hollfeld jährlich ihr Patronats- und Pfarrfest. Verbunden ist dieser Tag mit der überregional bekannten abendlichen „Marianischen Feier“, bei der die gesamte Altstadt verdunkelt wird und nur im Kerzenlicht erleuchtet. Im Rahmen einer großen Lichterprozession zum Marienplatz, an der inzwischen jährlich tausende Teilnehmer nicht nur aus Hollfeld, sondern dem ganzen Umland teilnehmen, wird der Dank für die Rettung der Heimat vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg zum Ausdruck gebracht. Dieser jährlichen Feier liegt ein Gelübde des damaligen Stadtpfarrers und Dekan von Hollfeld, Herrn Kurt Weirather, Onkel des ehemaligen Erzbischofs von Bamberg, Dr. Elmar Maria Kredel, zugrunde.
Was fand in dieser denkwürdigen Nacht des 02.04.1945 in Hollfeld statt? Es war eine geheime Konferenz mit vier Teilnehmern, die das Ziel hatte, die von Hitler befohlene „Jura-Verteidigungslinie“ mit den vorgesehen Hauptkampforten Bamberg, Hollfeld und Pottenstein als Bollwerk für seine geliebte Stadt Bayreuth, zu unterwandern und die kampflose Übergabe der ganzen Region zu erreichen. Weiter sollte die Sprengung der Munitionsfabrik Breitengüßbach und die Sprengung der Bamberger Brücken verhindert
Ehrenbürger der Stadt Hollfeld, Dekan Kurt Weirather
Ehrenbürger der Stadt Hollfeld, Dekan Kurt Weirather
werden. Ein Wagnis, welches die vier Teilnehmer wohl mit ihrem Leben hätten bezahlen müssen, wäre es aufgedeckt worden. Teilnehmer dieses Treffens waren der damalige Weihbischof von Bamberg, DDr. Artur Michael Landgraf, Dekan und Stadtpfarrer Kurt Weirather von Hollfeld, der Oberbürgermeister von Bayreuth, Dr. Fritz Kempfler, und der SS.Obergruppenführer und General der Waffen-SS u. der Polizei im Fränk.-Sudetendt. Wehrkreis XIII, Nürnberg, Dr. Benno Martin, die sich gegenseitig teils von Jugend her kannten und teils miteinander eng befreundet waren. Ein Segen und Zufall der Geschichte für unsere Heimat und Region. Weihbischof DDr. Landgraf sollte aufgrund seiner Englischkenntnisse versuchen direkt mit den Amerikanern Kontakt aufzunehmen, Dr. Martin versuchte auf militärischer Ebene die Verteidigung zu verhindern, was ihm schließlich nach intensiven Kontakten und listigen Tricks gelang. Hierbei war er im ständigen Kontakt mit dem Erzbistum Bamberg. Die von Hitler für die Verteidigung vorgesehenen SS-Truppen zogen sich daraufhin weit hinter Hollfeld zurück. Die damaligen Kampfkommandanten von Bamberg, Oberst Körner, und Bayreuth, General Hagl, wußten von diesen Plänen nichts. Sie befehligten eigene Truppenteile, auf die diese Konferenz und insbesondere Dr. Martin keinen direkten Einfluß ausüben konnte. Die Bombardements, die Bayreuth und Bamberg erleiden mußten, wären nur ein Vorspiel gewesen, wie sich aus geschichtlichen Unterlagen ergibt. Eine Verteidigung im Rahmen der Juralinie hätte die völlige Zerstörung mit tausenden von Opfern bedeutet. Diese Gefahr auch für Hollfeld (der Ort sollte evakuiert werden) vor Augen, legte der damalige Stadtpfarrer von Hollfeld, Kurt Weirather ein Gelübde ab, den „Oberen Markt“ in „Marienplatz“ umzubenennen, dies durch Stiftung und Aufstellung einer repräsentativen Marienstatue zu dokumentieren und alljährlich am Patronatsfest „Mariä Himmelfahrt“ eine abendliche Dankprozession zum Marienplatz durchzuführen. Die Teilnehmer der Hollfelder Konferenz Dr. Kempfler (der später noch die kampflose Übergabe der Stadt Bayreuth gegen den Willen der Militärs erreichte) und Dr. Martin wurden in den Nachkriegsprozessen von den jeweiligen Schwurgerichten freigesprochen. So wurde z.B. in der Erzdiözese Bamberg in der Nazizeit kein Priester verhaftet oder ins KZ geschickt. Der Weihbischof DDr. Landgraf gedachte und erinnerte bereits 1945 in einer Predigt im Bamberger Dom an das positive Wirken von Dr. Martin für die Rettung Bambergs.
Der Hobby-Heimtforscher Christian Stößel aus Hollfeld hat sich intensiv mit diesen Ereignissen befasst und ist erstmals in Besitz von Kopien der Originaldokumente, die er in verschiedenen Archiven fand. Seine Ergebnisse sind im Hollfelder Pfarrblatt Nr. 2/2002 umfangreicher veröffentlicht. Den Gedanken, den er mit dem jetzigen Stadtpfarrer von Hollfeld, Herrn Günter Höfer vertritt, an den Orten des Geschehens – Pfarrhaus von Hollfeld und Marienplatz – durch Gedenktafeln einem Vergessen dieser geschichtlichen Verbindung entgegen zu wirken, sollte man, bedenkt man was verhindert wurde, nicht leichtsinnig verwerfen. Wie schrieb bereits Goethe:“ Nichts ist zarter als die Vergangenheit. Rühre sie an wie glühend Eisen; denn sie wird dir sogleich beweisen, du lebst auch in heißer Zeit!“

Christian Stößel


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