7. Sonntag im Jahreskreis - 19. Februar 20122 Kor 1, 18-22; Mk 2,1-12Haben Sie schon einmal überlegt, wie oft Sie am Tag Ja sagen? Ich denke, die meisten Jas kommen uns ganz automatisch von den Lippen. Wir beantworten Fragen. Wir bringen zum Ausdruck: Ja, das ist richtig oder auch: Ja, das mache ich. Ja, ich gehe heute Abend auch zum Pfarrfasching. Wenn wir eine größere Aufgabe übernehmen sollen oder eine Verpflichtung eingehen, dann überlegen wir uns dieses Ja schon genauer. Kann ich da Ja sagen? Schaffe ich das denn? Will ich das überhaupt? Das wichtigste Ja ist das Ja zu einem Menschen, zum Ehepartner z.B. oder zum Kind. Ja, ich nehme dich an, so wie du bist, auch wenn du deine Fehler hast, auch wenn du dich vielleicht irgendwann total veränderst, auch wenn Dinge passieren, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Ich nehme dich an. Ein solches Ja kann nur der sprechen, der vorbehaltlos liebt. Gott sagt sein absolutes, unwiderrufliches Ja zum Menschen. Das ist der Inhalt der heutigen Lesung. Dieses Ja ist nicht nur ein Wort. Dieses Ja ist Mensch geworden. Sichtbar, hörbar, greifbar und auch angreifbar - in Jesus Christus. In ihm ist Gottes Ja verkörpert. Das heutige Evangelium macht dies in besonderer Weise deutlich. In der Zuwendung Jesu zu dem Gelähmten wird das Ja Gottes zu diesem und zu jedem Menschen sichtbar und spürbar. Wir werden in dieser Heilungsgeschichte ja mit einem interessanten Zusammenhang konfrontiert. Da wird ein körperlich Gelähmter zu Jesus gebracht und Jesus sagt als erstes: Deine Sünden sind dir vergeben. Das sieht ganz so aus, als ob erst das Innere dieses Menschen heil werden müsste, bevor die äußere Lähmung beseitigt werden kann. Heute würde man wahrscheinlich von einer psychosomatischen Krankheit sprechen. Der Satz: Ich bin wie gelähmt, deutet ja auch in diese Richtung. Aber das ist nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist die wirklich frohe Botschaft, dass der Glaube an den Gott Jesu beides heil macht, unseren Körper und unsere Seele. Wie ich schon am letzten Sonntag sagte, geht es bei den Wundern Jesu nicht um die äußere Sensation, es geht Zeichen des Heiles. Die Botschaft dieses Evangeliums sagt uns: Gott vergibt. Das Ja Gottes zu uns schließt auch unsere Schuld mit ein. Gott sagt Ja zu mir, trotz meiner Fehler und Schwächen, trotz meiner inneren Gelähmtheiten. Trotzdem ist es wichtig, mir selbst die Frage zu stellen: Was lähmt mich denn? Das können Ängste sein - und da gibt es viele: die Angst vor tatsächlichen oder auch nur befürchteten Bedrohungen; die Angst vor der Zukunft, vor Krankheit und Alter; die Angst, zu kurz zu kommen; die Angst vor dem Urteil der anderen: Was sagen die Leute; die Angst zu versagen. Diese Ängste können mich lähmen, innerlich unfrei machen. Auch die Trauer um einen geliebten Menschen kann mich lähmen. Alle Gedanken kreisen nur noch um ihn, um das, was war. Ich habe keine Kraft, keine Energie mehr zum Leben. Und mit einer Schuld oder auch nur einem Schuldgefühl, die ich vielleicht schon lange mit mir herumschleppe, ist es ganz ähnlich. Das Angebot unseres christlichen Glaubens heißt: Mit all dem, was dich lähmt, kannst du zu Jesus kommen. Er verkündet einen Gott, der nicht verurteilt und straft; einen Gott, der Ja zu dir sagt, so wie du bist; einen Gott, der dich frei machen kann zum Leben. Und wenn du es allein nicht schaffst, dich auf den Weg zu machen, dann such dir Freunde, die dich tragen. Das ist noch einmal ein ganz wichtiger Aspekt dieser Geschichte. Und das ist gleichzeitig ein Aufruf an uns alle: denen, die gelähmt sind, den Weg zu Jesus frei machen. (Pfarrer Bernhard Simon) 

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