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3. Sonntag im Jahreskreis - 22. Januar 2012

Jon 3, 1-5.10; Mk 1, 14-20

Gott begegnet den Menschen, er ruft sie an, mitten in ihrem Alltag. Wichtig für uns ist es, still zu werden und zu hören und zu sehen. Darüber haben wir am letzten Sonntag nachgedacht. Auch in den heutigen Schrifttexten ruft Gott. Er ruft den Propheten Jona. Er ruft durch Jesus die ersten Jünger: Simon und Andreas, Jakobus und Johannes. Die Frage ist: Was beabsichtigt denn Gott, wenn er ruft? Wozu ruft er? Was will er denn? Wenn Gott einen Menschen ruft, dann hat er einen Auftrag an ihn. Der Auftrag an Jona lautet: Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, in die große Stadt, und rufe ihr die Strafbotschaft zu, die ich dir sage. Die Botschaft Jesu lautet ähnlich: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe. Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium. Und der Ruf an die ersten Jünger heißt: Kommt und folgt mir! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Wenn Gott ruft, dann will er damit immer etwas in Bewegung bringen. Sie werden keinen Satz in der Bibel finden, wo Gott sagt: Jetzt bleib mal schön sitzen und wart ab. Das Stillwerden und Hören ist das eine, das ist die Voraussetzung. Aber dann heißt es immer: Steh auf, geh, mach dich auf den Weg, verlass deine Heimat und dein Vaterhaus usw. Wir kennen die Geschichte vom Propheten Jona. Der wollte absolut nicht nach Ninive und dort schlechte Nachrichten verkünden. Er reißt aus vor Gott, flieht mit dem Schiff in die andere Richtung, wird ins Meer geworfen und vom Walfisch schön brav wieder zurückgebracht. Und Gott sagt zum zweiten Mal: Mach dich auf den Weg. Auch die Jünger im Evangelium werden aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen, aus ihrer Familie, aus ihrer vertrauten Tätigkeit. Der Ruf Gottes ist immer ein Ruf heraus aus der Gemütlichkeit der eigenen vier Wände. Es ist der Ruf ins Neue, ins Unbekannte, der Ruf zum Wagnis.
Aber was ist dieses Neue? Was ist der Inhalt des Rufes Gottes? Wenn Gott ruft, dann geht es dabei immer um Umkehr. Sowohl Jona als auch Jesus rufen zur Umkehr auf. Umkehr heißt ja nichts anderes als Änderung. Ändert euer Leben. Bewegt euch weg von dem Kreisen um euch selber. Geht auf Gott zu. Das muss die Richtung sein, in der sich euer Leben bewegt. Wer auf Gott zugeht, kann am Mitmenschen nicht vorbeigehen. Ich will euch zu Menschenfischern machen, sagt Jesus. Das heißt: Geht heraus aus euren eigenen vier Wänden und bringt den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes.

(Dass das gleichzeitig ein großes Wagnis ist, zeigt das Leben vieler Heiliger. So setzt der heilige Sebastian, an den wir heute besonders denken, sein Leben aufs Spiel, um gefangenen Christen beizustehen. Mutig stellt er sich dem Kaiser entgegen und tritt ein für das Leben der Menschen).

Vor gut einer Woche haben wir in der Pfarrei alle eingeladen, die regelmäßig ehrenamtlich tätig sind. Am letzten Sonntag war der Neujahrsempfang der Stadt, zu dem auch viele eingeladen waren, die sich für andere engagieren. Es gibt auch heute noch viele Menschen, die sich herausrufen lassen aus den eigenen vier Wänden. Die würden sicher auch manchmal lieber zuhause bleiben, anstatt einen Besuch zu machen oder an einer Sitzung teilzunehmen. Aber sie lassen sich rufen, hin zu den Menschen. Ohne sie wäre vieles nicht möglich in unseren Pfarreien und Gemeinden. Ihnen allen möchte ich heute auch öffentlich einen ganz herzlichen Dank aussprechen. Sie tragen dazu bei, dass das Reich Gottes nahe kommt und spürbar wird.

Fragen wir uns: Wo ruft Gott mich?

(Pfarrer Bernhard Simon)


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